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Publiziert am 20.06.2010 von Susanne Dranaz

Urlaub an der langen Leine - Blackberry & Co im Urlaubsgepäck

In diesem Frühjahr nutzte ich ein paar trainings- und kinderfreie Tage für einen kurzen Trip nach Italien zum Gardasee. Natürlich fuhr das Handy mit. Einige „offene Enden“ hatte ich vor der Abfahrt nicht mehr schließen können. So sprach ich auf dem Weg nach Italien mit potentiellen Auftraggebern, erfuhr an der Tankstelle von verschobenen Veranstaltungen (Reise stornieren, neue Reise buchen), diskutierte mit Managern, die ihre Teilnahme an einer Mediation in Frage stellten, briefte eine Kollegin, die ein Training von mir übernahm … und fand mich am Nachmittag auf einem Hotelbalkon vor atemberaubender Seekulisse wieder, obwohl ich mental noch längst nicht aus meinem Münchner Arbeitszimmer rausgekommen war.

Wie ich mittlerweile weiß, befinde ich mich dabei in guter Gesellschaft: Laut Forschungen des Instituts für Freizeit- und Tourismusforschung in Wien nehmen zwei Drittel der Befragten ihr Handy mit in den Urlaub. Im Netz finden sich eine Fülle sinniger Tipps für den Umgang mit Mobiltelefonen im Urlaub („Handy nicht in die Sonne legen! Vorsicht mit feinen Sandpartikeln am Strand! Telefonieren am Steuer ist besonders teuer in Italien!“) – aber auch die ersten Reiseveranstalter, die ihre Ziele als „Urlaub im Funkloch“ empfehlen. Denn die Erfahrungen Vieler zeigen: Eine Hiobsbotschaft aus dem Office, und wir sind sofort für Stunden wieder gedanklich im Job. Ist das wirklich angemessen angesichts der wenigen kostbaren Wochen, die wir jenseits des Schreibtischs verbringen? Wäre es nicht viel bereichernder, einfach im Hier und Jetzt zu entspannen, als uns vom Daheim und Demnächst einfangen zu lassen?

Viele argumentieren: Ein Blackberry im Urlaubsgepäck, jeden Tag ein paar Fleiß-Runden eMails lesen, und nach der Rückkehr wird der Start in den Job nicht so erdrückend („Sie haben 428 ungelesene Nach-richten ….“). Oft ist das Motiv auch (vermeintlich) fehlende Zeit für eine saubere Übergabe der laufenden Geschäfte an eine(n) Vertreter(in).

Hier einige Tipps, die einen Urlaub ohne Nabel-schnur zum Arbeitsplatz erleichtern:

  • Früh anfangen
    Beginnen Sie schon heute mit der Urlaubsvorbereitung:
    • Legen Sie fest, wer Sie in welchen Situationen vertreten kann und wann Sie Ihre Aufgaben übergeben wollen.
    • Überlegen Sie generell, wo Sie Informationen ablegen, die in Ihrer Abwesenheit vonnöten sind. Werten Sie Checklisten auf, indem Sie Kontaktdaten, Passwörter etc. darin hinterlegen, so dass Vorgänge auch ohne Ihre Anwesenheit gelingen können. Überlegen Sie: Was wäre, wenn ich mir morgen ein Bein brechen würde: Was würde den Kollegen helfen, zurecht zu kommen?
  • Ankündigen
    Senden Sie Kollegen und Kooperationspartnern ein bis zwei Wochen vor Ihrem Urlaubsbeginn eine Vorwarnung – „wenn Sie noch etwas von mir benötigen, melden Sie sich bitte bis …“. Das erspart Ihnen häufig das „in dringenden Fällen erreichen Sie mich auch im Urlaub unter Mobil 0151…“ im automatic reply.
  • Abstandstag
    A propos Automatic reply: Erwarten Sie allzu große Mailanstürme während Ihres Urlaubs, so nennen Sie als Datum Ihrer Rückkehr erst Ihren zweiten Arbeitstag. Das verschafft Ihnen etwas Luft beim Wiedereinstieg.
  • Urlaubs-SIM-Karte
    Wer das Handy im Urlaub vor allem zum Selbst-Telefonieren im Urlaubsland nutzen möchte, kann sich hierfür eine extra SIM-Karte des Gastlandes besorgen – und ist nur noch unter der zugehörigen Nummer erreichbar. Das spart zudem noch Roaming-Gebühren.
  • eMail-Regelassistent
    Wenn Sie mit Outlook o. ä. arbeiten, können Sie Ihre Mails nach der Rückkehr zum Lesen automatisch vorsortieren lassen, indem Sie Regeln im System hinterlegen: Z. B. „alle Mails, auf denen ich lediglich cc gesetzt bin, in einen gesonderten Order verschieben“. So erhalten Sie schneller Zugriff auf die wirklich wichtigen Nachrichten…

Mein nächster Kurzurlaub findet auf einer Hütte in den Alpen statt. Dort gibt es zum Glück überhaupt keinen Empfang.